5. Sonntag der Osterzeit B, 2. 5. 2021

In diesen letzten Monaten der Pandemie, wo vieles nicht möglich war und kirchliche Veranstaltungen nur unter großen Einschränkungen durchgeführt werden konnten, haben sich viele Verantwortliche gefragt: die Menschen, die jetzt wegbleiben, kommen die wohl mal irgendwann wieder? Was passiert mit den Chören, die seit über einem Jahr nicht mehr proben können? Was ist mit den Kinder- und Jugendgruppen, die sich nicht treffen können, keine Pfingst- und Sommerlager mehr machen können? Das sind Fragen, die die Menschen bewegen, die mit offenen Augen sich die augenblickliche Situation ansehen.

Und ich bin selbst überzeugt: viele Menschen werden nicht mehr wiederkommen, wenn die Einschränkungen mal wieder aufgehoben sind. Welche Konsequenzen das für uns als Gemeinde und Kirche haben wird, ist noch nicht abzusehen. In vielen Bereichen werden wir ganz von vorn anfangen müssen und wir werden nicht an glorreiche alte Zeiten anknüpfen können. Da können wir noch so viel jammern.

Hilfreich sind für mich in einer solchen Situation die österlichen Evangelien, die wir in diesen Sonntagen der Osterzeit immer wieder lesen und hören können. Sie antworten auf eine Krisensituation, denn nichts anderes war die Erfahrung der ersten Jünger Jesu, deren Lebensplan durch die Kreuzigung und den Tod ihres Meisters zutiefst erschüttert war. Sie hatten etwas völlig anderes erwartet. Die österlichen Evangelien versuchen darauf eine Antwort zu geben.

Dazu gehört auch der Vergleich mit einem Weinstock. Ein kultivierter Weinberg gehört auch heute den elementaren Erfahrungen, zumindest für die Menschen an Rhein und Mosel, im Napa Valley und im Beaujolais und inzwischen auch wieder in am Phönixsee in Hörde. Es ist ein Vergleich, der Lebensfülle andeutet, auf Fest und Feier hinweist und auch darauf hindeutet, dass Menschen mal richtig ausflippen können und sich betrinken können. Das kann aber nur gelingen, wenn die Weinrebe in Verbindung bleibt mit dem Weinstock. Sonst gibt es keine Nahrung mehr für die Früchte. Es ist ein Vergleich, der auch für unsere Ohren sehr einladend ist, weil er positive Assoziationen bereithält: leckere Trauben, schmackhaften Traubensaft, und Rotwein und Weißwein aus allen Lagen, sonnengereift.

Aber es geht ja nicht um unseren Weinkeller. Es ist ein Vergleich. Und dieser Vergleich will etwas aussagen über innere Verbindung zu Jesus Christus und seiner Botschaft. Es ist eine Botschaft voller Lebendigkeit, voller Saft und Kraft, voller Sonnenlicht, voller Energie. Darum muss es auch der Kirche gehen in Zeiten, die viel Veränderungen mit sich bringen: dass sie es versteht, die Verbindung zu Jesus Christus so zu präsentieren, dass sie den Menschen von heute guttut. Es ist fatal, wenn Menschen bei „Glauben“ immer an Gestern und Vorgestern denken und wenn ihnen beim Wort „Kirche“ nur das Mittelalter einfällt. Ich bin fest überzeugt, dass die Botschaft Jesu auch in Krisenzeiten und unter Corona-Bedingungen lebensrelevant ist.

  • Gott, der schöpferische Vater, lässt uns zu Mitschöpfern werden. Wir können diese Welt mitgestalten, sie bebauen und behüten und auch Impfstoffe entwickeln.
  • Gott, der auch Wegbegleiter ist und ganz menschlich, lässt uns tröstende und mitfühlende Worte und Gesten finden für Menschen, die es gerade jetzt dringend brauchen.
  • Gott, die heilige Geistkraft, gibt uns langen Atem, wenn unsere Geduld immer wieder auf die Probe gestellt wird.

Und wenn Sie dann morgen wieder einkaufen können, gönnen sie sich eine Portion Weintrauben und erinnern sich bei jeder Beere, die sie genießen, dass es ein Impuls sein kann, mit Christus und seiner Botschaft verbunden zu bleiben.

Reinhard Bürger

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