Wenn diese Gemeindenachrichten fast ihre Gültigkeit schon verloren haben, am 16. Juli, feiert die Kirche den Gedenktag unserer lieben Frau vom Berge Karmel, einer der vielen kleinen Mariengedenktage im Kirchenjahr.

Der Berg Karmel, das Karmelgebirge ist ein fast 30 km langes Gebirgsmassiv im Norden Israels. Es ist das Grenzgebiet zum Libanon. Der aktuelle Krieg hat starke Auswirkungen auf diese Gegend im Heiligen Land, vor allem auch auf die Stadt Haifa.

Für die Bibel ist der Berg Karmel ein wichtiger Ort. Hier fand im 9. Jh. vor Christus ein spektakuläres Gottesurteil statt, wie das 1. Buch der Könige erzählt: der Prophet Elija ließ hier einen Opferaltar für Gott bauen und auch die gegnerischen Baalspriester bauten hier einen Altar für ihren Gott. Der Gott nun, der sein Opfer durch herabfallendes Feuer vom Himmel entzünden würde, sollte als wahrer Gott anerkannt werden. Nach dem erfolglosen Flehen der Baalspriester entzündet Elijas Gott, der Gott Israels, sein Opfer restlos. Der Einsatz des Propheten Elija für Gott Jahweh war beglaubigt worden!

Der Karmel war für Israel immer ein Sehnsuchtsort, ein Symbol für Schönheit, Fruchtbarkeit und Gottes Segen. Das Alte Testament feiert die Gegend dichterisch. Das Hohelied vergleicht im 7. Kapitel die Schönheit des verehrten Mädchens mit der Schönheit des Karmel. Und der Prophet Jesaja sieht: „Die Herrlichkeit des Libanon wird ihr geschenkt, die Pracht des Karmel und die Ebene Scharon.“ (Jes 50, 19)

In dieses Gebirge mit seinen vielen Höhlen ziehen im 12. nachchristlichen Jahrhundert Eremiten, die sich auf den Propheten Elija berufen. Bald entsteht aus diesem losen Zusammenschluss der beschauliche Orden der Karmeliten. Sie stellen sich unter den besonderen Schutz der Gottesmutter Maria, der lieben Frau vom Berge Karmel. Dieser Orden hat bedeutende Heilige hervorgebracht: Teresa von Ávila, Thérèse von Lisieux, Edith Stein.

Die Karmeliten betrachten Maria als Vorbild des Gebets, der Kontemplation und der Hingabe an Gott. Als Erste hat Maria geglaubt und erlebt, dass Jesus Christus der Höhepunkt der Begegnung von Gott und Mensch ist. Indem sie Gott, sein ewiges Wort, in sich aufnahm, durfte sie den heiligen Berg, den Karmel, den Gipfel, genießen!

Das Marienfest, das wir da am 16. Juli feiern, ist eine Einladung an uns, an der Person Christi immer neu Maß zu nehmen, um ihm immer ähnlicher zu werden. Dabei dürfen wir auf die Hilfe und Begleitung Mariens bauen. Gott hat ihr seinen Sohn anvertraut – vertrauen wir uns ihr an! Sie nimmt uns an die Hand und begleitet uns zum Berg Karmel.

„Ahmt sie nach und bedenkt, wie groß diese Herrin sein muss und wie gut es ist, sie als Patronin zu haben.“ (Teresa von Ávila)

Stefan Wallek