Meine Lieben,
ich schreibe diese Zeilen mitten im Sommer, hier auf der Terrasse sind es knapp über 30 Grad… und mir geht’s gut!
Ich genieße diese Zeit, wenn auch in diesem Jahr ein wenig zu warm.
Zwei Ereignisse möchten ich mit Ihnen und euch teilen, mein Heimatschützenfest Anfang Juli und den Kurztrip zum Liborifest.
Einmal im Jahr gönne ich mir einen längeren Aufenthalt zu Hause, mit Übernachtung in meinem alten Kinderzimmer, und zwar wenn mein Schützenverein feiert – mit Schützenhochamt und natürlich auch ungezwungen „auf der Halle“.
Hier treffe ich sowohl diejenigen wieder, die sonst in alle Himmelsrichtungen verstreut sind, als auch die altvertrauten Gesichter von daheim.
Und wie in jedem Jahr kommt ein alter Bekannter mit „Wie geht es Dir?“ auf mich zu. Es passiert im Folgenden, was eigentlich immer geschieht, wenn wir uns „unterhalten“: Nach der Frage habe ich ungefähr zwei Sätze Zeit, meinen Gemütszustand zum Besten zu geben, worauf er mich unterbricht und nun zu einem Monolog ansetzt, was ihm alles so passiert ist. Zwischendurch hole ich ein Kaltgetränk – eigentlich eher, um mich zu erholen – bevor es weitergeht.
Es war wie in jedem Jahr, ich hätte es wissen können. Bei seiner Eingangsfrage „Wie geht es Dir?“ ging es nicht um ein ehrliches Interesse an mir, sondern ausschließlich um sein Ego, seine Probleme, sein Leben. Irgendwann unterbreche ich ihn dann, und wir versprechen uns den gegenseitigen Anruf, um das „angeregte Gespräch“ wieder aufzunehmen. Wenn ich wieder zurück bin und all das, was so auf „meinem“ Schützenfest passiert, reflektiere, macht mich diese Begegnung zunächst immer mal wieder traurig, warum er so wenig Interesse an mir zeigt. Andererseits denke ich dann, dass sich ihm vielleicht nur noch wenige Möglichkeiten bieten, einfach mal zu erzählen.
Auf Libori ist das ein wenig anders. Wenn wir, ein Kreis von Freunden aus der Seminars-Zeit – heute Familienväter oder Mitbrüder – uns treffen, dann steht die Frage „Wie geht es Dir?“ nicht im Anfang der Begegnung. Wir sind einfach zusammen, betend und feiernd. Und im Laufe der Stunden kommen die Antworten, ohne dass jemals eine Frage gestellt wurde. Wenn ich dann nach Hause fahre, bin ich glücklich über den echten Austausch.
Vielleicht braucht es dazu eine echte und tiefe Beziehung, die ohne Eingangsfloskeln klarkommt? Vielleicht ist es auch einfach Freundschaft auf Augenhöhe.
So wie bei Jesus. Ja, er ist unser Herr, dem ich in jedem Augenblick meines Lebens dankbar sein sollte – aber er ist auch unser Freund!
Wenn wir von ihm hören oder lesen, wie er auf Menschen zugeht, wie er zuhört und spricht, dann darf ich entdecken, wie ehrlich er es meint mit mir … mit uns! In seinen Worten und seinem Handeln findet sich ein Mitgefühl für den Nächsten, welches aus tiefster Seele, ja aus Liebe spricht.
Ich gebe zu, dass mich das manches Mal absolut überfordert. Andererseits lerne ich mehr und mehr, die Einladung „Wie geht es Dir?“ richtig zu verstehen und auch selbst einzusetzen.
Machen wir uns ehrlich. Schauen wir uns mit einem wohlwollenden Blick in die Augen, hören einander zu. Mal mit mehr Ohr, manchmal auch mit mehr Worten! Aber immer mit Herz!
Wunderschöne Sommertage wünscht Ihnen und euch
Oli Schütte, Vikar
