Wir haben gerade wieder einmal einen Jahreswechsel hinter uns gebracht und hoffentlich schön und angemessen feiern können. Vielleicht gibt es sogar ein paar Vorsätze, die Sie ins Jahr 2023 begleiten. Ein solcher neuer Zeitabschnitt ist für viele Menschen auch eine Möglichkeit, das Leben etwas intensiver in den Blick zu nehmen. Dabei gibt es diese beiden Richtungen: zurückzuschauen und nach vorn zu blicken – beides verbunden mit vielen Gefühlen: mancher ärgert sich über verpasste Chancen, über Missgeschicke, über Pleiten, Pech und Pannen. Oder freut sich über Dinge, die gelungen sind oder ist dankbar für überraschende Begebenheiten.

Vielleicht geht der Blick auch vorwärts auf das neue Jahr 2023. – Was steht an: eine Prüfung, ein Schulabschluss, der Führerschein, ein schöner Urlaub, der Renteneintritt…? Aber auch Befürchtungen sind da: Was macht meine Gesundheit? Wie geht es mit den Kindern weiter? Was fällt dem verrückten Diktator in Moskau noch alles ein?

Der dänische Theologe Sören Kierkegaard (1813-1855) hat diese Erfahrung auf den Punkt gebracht, indem er sagt: „Verstehen kann man das Leben rückwärts, leben muss man es aber vorwärts.“

Beide Blickrichtungen sind wichtig: Ich kann das Vergangene nicht ausblenden, es prägt mich, ich habe vielleicht Verletzungen davongetragen, die ich heute noch spüre; ich habe Verluste erlitten, die noch schmerzen; oder mir ist etwas geschenkt worden, von dem ich heute noch lebe. Das alles prägt mich, aber es muss mich nicht blockieren, um nach vorn zu schauen. Der kluge Theologe hat recht, wenn er dazu ermutigt, nach vorn zu schauen und auch das neue Jahr in den Blick zu nehmen, mit Zuversicht, aber ohne Angst. Ich kann nicht darauf vertrauen, dass alles so ist wie immer, „the same procedure as every year…“, selbst wenn dieser Silvesterknüller scheinbar ewiges Leben hat.

Für dieses neue Jahr wünsche ich diesen Blick nach vorn und die Energie, wieder neue Schritte zu wagen. Neue Schritte brauchen Mut und Zuversicht – und Hoffnung. In diesem Sinne: ein hoffnungsvolles Jahr 2023.

Reinhard Bürger

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