Der heutige Gottesdienst steht in einem Spannungsbogen. Auf der einen Seite, das Lied „Kann denn Liebe Sünde sein“, dass zu Beginn des Gottesdienstes eingespielt wurde und dazu passend das Hohelied der Liebe aus dem Korintherbrief – unsere heutige Lesung. Auf der anderen Seite das Leitwort der Ausstellung, die wir heute eröffnen „Verschaff mir Recht“. Davon haben wir ja eben auch im Evangelium gehört, diese Witwe im biblischen Gleichnis. Was ist der Hintergrund unserer Ausstellung? Die immer noch bestehende Kriminalisierung von Lesben, Schwulen, Bisexuellen und Transgendern. In über 70 Ländern sind gleichgeschlechtliche Handlungen zwischen Männern strafbar, in 47 Ländern gilt das auch für weibliche Homosexualität. Fast alle Ländern befinden sich in Afrika, Asien, der Karibik oder im Pazifikraum. Die Strafen: meistens Geldstrafen, in 41 Ländern aber auch Haftstrafen und in 4 Ländern und 2 Regionen wird die Todesstrafe angewendet.

Das Signal, das gesendet wird, ist immer gleich: diese Personengruppe verdient keinen staatlichen Schutz. Die grundlegenden Menschenrechte gelten nicht. Es kommt zu willkürlichen Schikanen durch die Polizei, zu brutalen Erniedrigungen durch gewalttätige Mobs. Die betroffenen Menschen leben in Angst und Schrecken.

In den meisten Fällen lässt sich die Kriminalisierung durch die entsprechende Gesetzgebung auf die britische Kolonialmacht zurückführen. Es wird von den Sodomie Gesetzen gesprochen, dahinter stehen biblisch begründete Moralvor-stellungen. Ist das theologisch vertretbar? Die römisch-katholische Kirche muss ihre Haltung dazu klären. Bleibt es bei der traditionellen moraltheologischen Ablehnung von gleichgeschlechtlichen Handlungen oder begreift sich die Kirche als Ver-teidigerin der Menschenrechte. Die Ausstellung „Verschaff mir Recht“ zeigt zehn Lebenszeugnisse aus neun Ländern. Ihre Lebensgeschichten zeigen, dass die Kirche Teil des Problems ist. Katholische Priester machen Homosexualität in Predigten lächerlich und stacheln die Gemeinden zum Hass auf; langjährig aktive Gemeinde-mitglieder werden nach ihrem Coming Out ausgeschlossen; katholische Familien brechen den Kontakt zu ihren Kindern ab aufgrund deren sexueller Orientierung; einige Bischofskonferenzen haben die Verschärfung von Strafgesetzen gefordert. Kirche könnte aber auch Teil der Lösung sein: durch deutliche Statements bei den Vereinten Nationen oder indem sie ihren großen Einfluss, den die Kirche in vielen Ländern noch hat, entsprechend einsetzt und die Gemeinden aufruft homosexuelle Menschen zu integrieren, zu akzeptieren und  sie in Schutz zu nehmen.

  1. Kor 12, 31-13, 7 und Lk 18, 1-8

Wir haben das Gleichnis vom ungerechten Richter gehört. Verschaff mir Recht gegen meine Widersacher verlangt die Witwe. Der Richter ignoriert sie, er nimmt keine Rücksicht. Die Witwe lässt keine Ruhe und schließlich denkt der Richter um. Die Witwe im Gleichnis hat nicht locker gelassen und schließlich ihr Recht bekommen. In ähnlicher Weise verlangen Lesben, Schwule, Bisexuelle und Transgender von der katholischen Kirche, dass sie ihnen Recht verschaffen soll.

Kann denn Liebe Sünde sein? Liebe ist die Kraft in unserem Leben, die soviel verändern kann. Sie grenzt nicht aus. Sie geht einher mit Toleranz und mit Respekt gegenüber allen Menschen. Liebe hat viele Gesichter: die Ausstellung zeigt uns einige davon. Kann denn Liebe Sünde sein? Darüber möchten wir auch mit Siegfried Modenbach am 06. September ins Gespräch kommen. Lass uns reden … um 19 Uhr hier im Franziskuszentrum. Herzliche Einladung zu diesem Gesprächsabend. Kann denn Liebe Sünde sein? Am 14. September gibt es um 19 Uhr hier im Franziskus-zentrum einen Segnungsgottesdienst und zwar für alle Menschen, die partnerschaftlich unterwegs sind. Auch dazu lade ich herzlich ein.

Unsere Ausstellung wird im Foyer des Zentrums bis zum 18. September zu sehen sein. Verschaff mir Recht, denn Liebe hat viele Gesichter und kann keine Sünde sein.

Manfred Wacker

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