Am Redaktionsschluss für diese Gemeindenachrichten komme ich endlich dazu, dieses Vorwort zu schreiben. Und ich nehme Sie nun einfach mit in meine ersten Gedanken zum kommenden Sonntag (27.9.), zu dem diese Ausgabe erscheint und an dem die Gemeinde St. Michael in Lanstrop ihr Gemeindefest feiert.
Dort steht natürlich der Erzengel Michael (Gedenktag: 29.9.) im Mittelpunkt. Und der Name Michael bedeutet: Wer ist wie Gott?
Diese Frage kann natürlich rhetorisch verstanden werden, denn für die meisten von uns ist klar: Niemand ist wie Gott. Und besonders der Engelfürst Michael, dargestellt mit Lanze und Drachen, kämpft gegen die bösen Mächte, die sich gegen Gott auflehnen, die wie Gott sein wollen und Chaos stiften, anstatt Gottes gute Ordnung zu bewahren.
Aber vielleicht ist die Frage „Wer ist wie Gott?“ auch eine ehrliche Frage an uns.
Gott sucht doch Menschen, die sich auf seine Wege begeben und Anteil an ihm haben wollen. Wenn Gott Liebe, Versöhnung und Freude ist, dann sucht er Menschen, die lieben, Versöhnung stiften und Freude bringen. Dass Gott auch Mensch sein kann, zeigt er uns in Jesus. Und in Jesus, der wahrer Mensch und wahrer Gott ist – mehr, als wir es je sein können –, zeigt Gott uns zugleich, dass auch unser Menschsein am Göttlichen teilhaben kann.
In der Taufe werden wir zu Söhnen und Töchtern Gottes. Das Taufkleid zeigt symbolisch, dass wir uns verwandeln lassen wollen und sollen, dass wir Christus „wie ein Gewand“ anziehen und in dieser Welt ein wenig so sein wollen wie er – damit das Göttliche in unserem Handeln sichtbar und spürbar wird.
Somit ist der Name Michael vielleicht auch eine kleine, ehrliche Frage an uns: Wer ist (ein wenig) wie Gott?
Gott braucht doch Menschen, die ein wenig von ihm widerspiegeln, damit sein Reich hier und jetzt anbrechen kann.
Der Gründer der Communauté de Taizé, Frère Roger (Roger Schütz), sagte einmal:
„Lebe das, was du vom Evangelium verstanden hast. Und wenn es noch so wenig ist. Aber lebe es.“
Wenn wir das tun, können wir auf die Frage „Wer ist wie Gott?“ vielleicht antworten:
„Wir – ein wenig.“
Und ich denke, Gott wird lächeln und sagen: „Dann will ich mit euch mein Reich bauen.“
Stefan Kaiser
P.S.: Und am Wochenende darauf feiern wir den Gedenktag des Hl. Franziskus (4.10.), der ebenfalls versucht hat, das zu leben, was er vom Evangelium verstanden hatte.
