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In diesem Jahr ist der 20. November der letzte Sonntag im Kirchenjahr. Das Kirchenjahr ist zeitlich etwas versetzt zum bürgerlichen Jahr. Es geht immer vom 1. Advent bis zur Woche nach dem „Christkönigsfest“. Dieses Fest ist relativ jung, hat aber einen großen Wandel mitgemacht. Die Grundidee ist biblisch begründet: Jesus Christus wird einmal am Ende der Tage wiederkommen als König. So gibt es aus dem Altertum und dem Mittelalter zahlreiche Bilder und Plastiken, die ihn als König mit entsprechenden Insignien darstellen, etwa im französischen Chartres. Wer die Kathedrale durch das Hauptportal betritt, muss unwillkürlich den Blickkontakt aufnehmen zur Figur des Christus-Königs, der gewissermaßen der Einladende ist und die Besucher anschaut und sie willkommen heißt.

Dabei hat dieses Fest durchaus auch eine politische Dimension. Als offizielles Fest erst im Jahr 1925 durch den Papst eingeführt, sollte es ein Zeichen für Stabilität sein, nachdem Königreiche zerfallen und Kaiserthrone zusammengebrochen waren – in Russland, in Deutschland, im Osmanischen Reich, in Österreich-Ungarn. An vielen Orten herrschte Bürgerkrieg und Chaos. 10 Jahre später wurde dann das Christus-Königsfest – damals noch am letzten Sonntag im Oktober – das große Bekenntnisfest der Jugend in Nazideutschland und wichtiger Stabilitätsanker der katholischen Jugend gegen die menschenverachtende Ideologie der Nazis.

Heute in demokratischen Strukturen mag es uns fremd vorkommen. Ein mit Orden und Schärpen vollbehängter Mann in riesigen Schlössern und Residenzen entspricht nicht dem Wesen des Mannes aus Nazareth. Viele tun sich deshalb mit dem Titel Christus – König schwer. Um diesen Mann zu beschreiben ist es ratsam, sich an sein eigenes Wort zu erinnern: „Mein Reich ist nicht von dieser Welt“. Seine Krone ist nicht aus Gold und Edelsteinen, sondern es ist die Dornenkrone: er sieht und trägt das Leid und alle blutenden Wunden dieser Welt mit und ist den Menschen nahe, die unter unwürdigen Bedingungen und am Rande leben.

Reinhard Bürger

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