Am 20. November endet mit dem Christkönigssonntag das Kirchenjahr. Dieser Tag besingt Christus als Herrscher und König. Das mag uns befremden. Wenn wir Christus als König finden wollen, dann müssen wir dorthin gehen, wo über ihm geschrieben steht, daß er der „König der Juden“ sei. Wir müssen zum Kreuz auf Golgota gehen, müssen die Menge der Gaffer und Spötter durchbrechen, ganz nah unter das Kreuz treten und hören, was Christus spricht: „Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun.“

Mir scheint, das ist die erste und tiefste Erfahrung der Macht Christi. Wer wirklich vergeben kann, ist der Mächtigste auf dieser Welt, der Friedensfürst. Denn wirklich zu vergeben, das ist das Schwerste unter uns Menschen! Wie nachtragend wir alle sind. Und das bestimmt unser privates Umfeld genauso wie die große Politik. Wer vergibt, der durchbricht das alles bestimmende Gesetz von Ursache und Wirkung. Deswegen ist Vergebung ein echtes Wunder. Es ist das Königtum Christi, an dem wir teilhaben dürfen und sollen, zum Frieden für uns und zum Frieden für die Welt.

Neben Jesus werden zwei Verbrecher gekreuzigt. Einer von ihnen macht Jesus dafür verantwortlich, dass es ihm schlecht geht: „Du bist doch der Messias! Dann hilf doch dir und uns!“, ruft er. Schuld sind immer andere. Aber das Königtum Christi erfahre ich nur, wenn ich zu mir und meiner Schuld stehe, wie der zweite Verbrecher: „Uns geschieht recht. Wir erhalten den Lohn für unsere Taten. Dieser aber hat nichts Unrechtes getan.“

Das Bekenntnis der eigenen Schuld ist aber noch nicht alles. Es kommt noch ein Gebet hinzu, das schlichter nicht sein kann: „Jesus, denk an mich, wenn du in deiner Macht als König kommst!“ Mit dem Namen Jesu geht er in den Tod, der erste in einer endlosen Kette von Menschen bis heute.

Das ist die Botschaft von „Christkönig“: So mit Jesus leben, dass wir noch im Sterben das große Vertrauen in seine vergebende Königsmacht auf den Lippen und im Herzen tragen.

Stefan Wallek

 

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