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Am 15. Mai dieses Jahres ist in Rom Charles de Foucauld von Papst Franziskus heiliggesprochen worden. Zumindest den Besuchern der Franziskus-Gemeinde ist dieser Mann schon seit vielen Jahren vertraut, gibt es doch im dortigen Gemeindezentrum einen Gruppenraum, der nach ihm benannt ist: „Foucauld-Raum“. Charles de Foucauld passt gut in ein Franziskus-Zentrum, haben diese beiden Männer doch vieles gemeinsam, auch wenn sie etwa 700 Jahre trennen.

In seiner Jugend verliert er nach dem frühen Tod der Eltern den Glauben und schlägt in Frankreich eine militärische Laufbahn ein. Sein Einsatz in Marokko verändert ihn, besonders seine Begegnung mit den betenden Muslimen. Hier verwandelt er sich von einem Partylöwen in einen Wüstenfuchs und die Wüste wird ihn nicht mehr loslassen.

Seine Bekehrung aber beginnt in Paris in der Kirche St. Augustin, wo er dem Priester Abbé Huvelin begegnet, der lebenslang sein geistlicher Begleiter sein wird. Abbé Huvelin öffnet ihm die Augen für die existentielle Bedeutung des christlichen Glaubens. Foucauld sucht nach einem Lebensweg, der ihm ganz entspricht und so wird er zunächst Mönch bei den Trappisten. Er bleibt aber auf der Suche nach dem ‚letzten Platz‘, er will das verborgene Leben Jesu in Nazareth nachahmen. So wird er später Hausdiener in einem Kloster in Nazareth. Er kam aber zu der Einsicht, dass er dieses Leben überall verwirklichen konnte und so zog es ihn wieder in die Sahara zu den Tuareg. Er ließ sich ganz auf deren Kultur und Lebensweise ein, lernte ihre Sprache und wurde den Einheimischen dort ein wirklicher Bruder. Zugleich träumte er von einer Gemeinschaft von Brüdern, dieser Traum konnte sich allerdings zu seinen Lebzeiten nicht verwirklichen.

Im 1. Weltkrieg kommt es auch in der Sahara zu Unruhen und Bruder Charles wird am 1. Dezember 1916 von einem aufgehetzten Beduinen erschossen. Erst einige Jahre nach seinem Tod bilden sich erste Gemeinschaften, die sich durch sein Vorbild inspirieren lassen. Bruder Charles war davon berührt, dass Gott sich in Jesus klein gemacht hat und ein ganz gewöhnliches Leben eines Handwerkers gewählt hat. Foucauld hat Gott deswegen nicht bei den Privilegierten gesucht, sondern bei Menschen, die benachteiligt oder verachtet wurden.

Die Botschaft von Charles de Foucauld für heute könnte sein: suche Gott im „Kleinkram des Alltags“ (Andreas Knapp), suche nichts Besonderes, suche Gott mitten in der Welt. Auf ihn geht das Gebet der Hingabe zurück: ‚Mein Vater, ich überlasse mich dir…‘ (Gotteslob 8,7; Auf der Suche 34).

Reinhard Bürger