Vor einigen Tagen habe ich in meinem Postfach ganz unerwartet einen Brief von der Berufungspastoral in Paderborn gefunden. Es handelte sich dabei um eine Gratulationskarte zu meiner fünfjährigen Beauftragung als Gemeindereferent durch den Erzbischof.
Zunächst erfüllte mich Freude, da mich diese Karte ganz unverhofft erreicht hatte. Viele Erinnerungen an den Tag der Beauftragung kamen mir ins Gedächtnis, vor allem die Gefühle, die ich vor und während der Beauftragung hatte. Für mich war es ein sehr wichtiges Ereignis, weil es der rituelle Ausdruck dessen war, worauf ich mich acht Jahre lang durch Studium und Assistenzzeit vorbereitet hatte. An diesem Tag habe ich mich sehr bewusst von dieser Kirche in den Dienst nehmen lassen.
Schon zur Studienzeit war mir meine Berufung ein grundlegender Motivator. Ich bin davon überzeugt, dass ich diesen Dienst übernommen habe und ausübe, weil Gott mich dazu gerufen hat, so wie er jeden Menschen ruft, auf ganz persönliche Weise in dieser Welt zu wirken.
Man könnte das nun als frommes Gewäsch abtun, aber meine Erfahrung ist, dass meine Berufung heute mehr Motivator und Halt ist denn je.
So wie das Leben in seiner Fülle ist, waren die letzten Jahre nicht nur von heiterem Sonnenschein geprägt. Immer wieder gab es große und kleine Krisen, Konflikte und Auseinandersetzungen, die mich an der Sinnhaftigkeit meiner Tätigkeit haben zweifeln lassen.
Gerade in dieser Zeit der Transformation merke ich, dass das Gefühl, berufen zu sein, und Gottes Zusage „Ich traue dir das zu!“ sehr kostbar sind.
Jede/r Christ*in muss sich fragen: Wozu bin ich berufen, um Gottes Botschaft in diese Welt zu tragen? Hierauf gibt es ganz individuelle Antworten, die nicht jedem passen oder nachvollziehbar sind, da das Verständnis von Kirche und kirchlichem Leben auseinandergeht.
Die Kirche als Gemeinschaft der Gläubigen ist seit Jahrhunderten darin geübt, die Frage der Berufung immer wieder in die neue Zeit zu übersetzen. Ich wünsche uns, dass auch wir die Kraft, den Mut und die Zuversicht in uns wecken können, um Antworten auf die Zeichen unserer Zeit zu finden.
Dies kann durchaus in Traditionen geschehen, aber jede Tradition muss die Option des Wandels und der Neuausrichtung haben, denn sonst wird sie mit der Zeit nur noch ein Schatten ihrer selbst.
Kirche wird sich weiterentwickeln und weiterleben – mit oder ohne uns. Die Frage ist nur: Lasse ich mich von Gott in seine Kirche rufen?
