Liebe Menschen aus dem Dortmunder Nordosten,

vor knapp zwei Jahren durfte ich mich Ihnen an dieser Stelle vorstellen. Ich gab einen kleinen Abriss meines Lebenswegs und versuchte zu erklären, was für ein Mensch ich auf diesem Weg geworden war. Schließlich sollten Sie wissen, wer da zu Ihnen kommt. So sprach ich von mir selbst als Pilger und schloss damit, uns allen eine „Pilgerzeit“ voller Aufbrüche und Begegnungen zu wünschen.

Heute kann ich sagen: So ist es gekommen! Ich kann nur von mir selbst sprechen, aber ich habe viele neue Menschen kennengelernt. Und während wir zusammen unterwegs waren, sind aus dem fremden Gegenüber neue Bekannte, engagierte Mitstreiter und erfahrene Ratgeber geworden. Ich bin zufrieden mit den Dingen, die wir als Kirche Dortmund-Nordost in zwei wilden Jahren angestoßen und weitergetragen haben.
„Wilde Jahre“ ist dabei eine harmlose Zusammenfassung dessen, was sich hier und anderswo so alles zuträgt.

Wie ein kleines Boot werfen uns Coronawellen hin und her. Wir werden daran erinnert, dass „Der Friede sei mit dir!“ keine Floskel, sondern ein notwendiger Wunsch ist. Wir stellen auf immer neue Arten fest, dass manche Probleme tief in die Eigenart unserer Kirche eingebrannt sind.

Mittendrin bin ich und stelle fest, dass ich so viele von Ihnen dann doch nicht kenne. Dass mancher Aufbruch doch noch nicht geklappt hat. Dass ich manche Meinung leider noch nicht verstehen kann.

Ich fürchte, dass ist die Schattenseite von „Pilgerzeit“: Das Wort Pilgern stammt vom lateinischen peregrinus und meint „in der Fremde sein“. Und zum Teil sind wir uns wohl fremd geblieben. Das mag daran gelegen haben, dass ich viel „im Pastoralen Raum“ und weniger „in den Gemeinden“ war, und daran, dass ich erstmal lernen musste, wo da der Unterschied ist. Aber ich fürchte, wir sind uns (hinter den Masken versteckt) alle etwas fremd geworden. Wir driften auseinander, inhaltlich und räumlich. Wenig verwunderlich bleibt die Frage, wie unsere Kirche aussehen soll, dabei unbeantwortet in der Mitte zurück. Auch ich habe darauf keine Antwort, geschweige denn eine abschließende Lösung.

So können wir nur versuchen, Fremdheit abzubauen. Wen ich kenne, den kann ich verstehen. Wen ich kenne, vor dem habe ich weniger Vorbehalte. Wen ich kenne, mit dem kann ich meinen Glauben leben und teilen. Das ist nicht leicht, ich weiß. Aber ich freue mich jedes Mal, wenn es dann doch klappt und so werde ich es in meiner neuen Stelle in Lünen auch weiterhin versuchen. Und ich bin zuversichtlich, dass Ihnen das bei den bevorstehenden Herausforderung ebenfalls gelingen wird.

Zum Abschied einen freundlichen Gruß

Johannes Markwiok

 

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