Am 2. Februar feiern wir das Fest „Darstellung des Herrn“. Wir werden den Lobgesang Simeons hören:
„Nun lässt du, Herr, deinen Knecht, wie du gesagt hast, in Frieden scheiden; denn meine Augen haben das Heil gesehen, das du vor allen Völkern bereitet hast, ein Licht, das die Heiden erleuchtet, und Herrlichkeit für dein Volk Israel.“
Dieser Lobgesang fasziniert mich immer wieder. Denn ich finde die Person, die ihn spricht, so spannend: Es ist ein alter Mann, der so redet. Und hinzu kommt noch Hanna, eine alte Frau, eine Witwe, die im Tempel allen verkünden wird, dass dieses Kind, Jesus, der Heiland ist, auf den alle warten.
Was ist das Besondere an Simeon, aber auch an Hanna?
Es sind Menschen, die die Visionen ihrer Kindheit bis ins hohe Alter als Träume bewahrt haben. Sie sind immer noch sehnsuchtsvolle und wartende Menschen, die daran glauben, dass sich alles um sie herum noch ändern kann, dass Neues anbrechen kann. Sie haben sich nie mit der Realität abgefunden, sondern bis zuletzt daran geglaubt, dass Veränderung möglich ist.
Nehmen wir Simeon: Ihm wurde verheißen, dass er nicht sterben werde, bevor er den Messias gesehen habe. Nun ist er alt und wartet Tag für Tag im Tempel. Er hätte ja auch irgendwann sagen können: „Das erlebe ich sowieso nicht mehr. Ich höre jetzt auf zu warten und akzeptiere, dass der Messias nicht mehr kommt und keine Veränderung eintritt.“
Oder nehmen wir Hanna. Sie ist eine Witwe von 84 Jahren. Ihr waren nur sieben Ehejahre vergönnt. In ihr wird gewiss eine sonderbare Mischung aus Trauer und Hoffnung wohnen, und trotzdem gibt sie nicht auf, auf die Liebe Gottes zu hoffen, die alles verwandeln wird.
Zwei alte Menschen also, die sich niemals mit der Realität und mit dem vielen Schrecklichen um sie herum abgefunden haben. Und zwei alte Menschen, die in einem Kind den Messias und das anbrechende Reich Gottes erkennen.
Dieses Kind, das in den Armen Simeons liegt, wird später sagen: Wer nicht das Reich Gottes annimmt wie ein Kind, wird nicht hineinkommen. (Lk 18,17)
Simeon und Hanna sind anscheinend solche Menschen geblieben. Sie haben sich den Blick eines Kindes bewahrt – Augen, die fähig sind, das Heil in der Welt zu sehen, wo andere nur Trostlosigkeit wahrnehmen.
Das ist es, was Jesus und der Glaube fordern: zu träumen.
Wie anders sähe unsere Welt aus, wenn es junge wie alte Menschen gäbe, die sich ihren Glauben, ihre Begeisterung und ihre glühenden Ideale nicht von Realisten, Pragmatikern oder Mächtigen als einen Rest noch nicht überwundener Naivität, Infantilität oder Pubertät hätten ausreden lassen.
