Jesus will durch uns wirken, durch uns „leuchten“, doch das geht nur, wenn wir frei von eigenen Absichten sind.

Salz und Licht – zwei starke Energiequellen. Jesus sagt: Das seid Ihr: „Ihr seid Salz, ihr seid Licht, eine Stadt auf dem Berg“. Für die Verkündigung vom Reich Gottes setzt Jesus auf seine Jünger, auf uns. Ohne Salz ist alles ungenießbar, ohne Licht alles dunkel, ohne Berge alles flach! Darin steckt großes Zutrauen, aber auch eine große Zumutung. Denn, wenn man unseren Text bis zu Ende liest (und das Ganze zu Ende denkt), kommt eine Wendung, die muss eigentlich befremden: „So soll euer Licht vor den Menschen leuchten, damit sie eure guten Werke sehen und euren Vater im Himmel preisen“. Das klingt, als seien wir für Gott unentbehrlich. Kann das sein?

Im Grunde sagt Jesus damit doch: Ohne Dich kann die Botschaft vom Reich Gottes nicht ankommen! Gott ist für uns unentbehrlich, sehr klar; aber ich für ihn? Brauchen andere Menschen, um den Vater im Himmel preisen, meine guten Werke? Nichts anderes steht doch da!

Ohnehin sind es ja schon eigenartige Bilder, die Jesus benutzt. Salz, NaCl, kann physikalisch nicht an Wirkung verlieren. Es kann verunreinigen, aber nicht fade werden. Ebenso hat auch das Licht (denken wir an das Sonnenlicht) etwas Grenzenloses. Wenn Jesus also vom faden Salz und dunklen Licht spricht, dann benennt er Widersprüche in sich, etwas, das es eigentlich gar nicht gibt, wie helles Schwarz oder dunkles Weiß.

Gottes Licht kann nur leuchten, Gottes Kraft kann nur wirken. Aber Gott wirkt eben nicht, wie dies manchmal in frühen Schriften des AT erzählt wird (und das ist eine Gottesvorstellung, die in den Herzen von Menschen bis heute weiterlebt!), indem er selbst, wie ein Krieger, wie ein König, ins Weltgeschehen eingreift, sondern: Er bindet sich an die Menschen (das ist das Geheimnis der Menschwerdung, das was wir Weihnachten feiern): Durch die Taten der Christinnen und Christen, durch die Kirche, wird Gott sichtbar – oder eben nicht! In der Bildsprache des Evangeliums: Wenn euer Leben fade und flach wird, wenn sich Euer Herz, Eure Seele verdunkelt, dann ist es eben nicht nur euer Leben, dann verflacht und verdunkelt ihr auch die Botschaft von der Liebe Gottes.

Positiv gesagt: Es ist eine Kraft, ein Licht in Euch hineingelegt, Euch geschenkt: Euer Glaubensenergie, Eure Liebesfähigkeit, Eure Hoffnung… Alles das habt ihr bekommen, aber nicht für Euch, sondern für andere!! Das uns geschenkte Licht des Lebens, die Kraft Gottes in mir, macht mich empfindsamer, gewissermaßen „Durchscheinender“. Das, was ich tun oder lasse, wird sichtbarer, nicht nur die guten Dinge, sondern auch die schlechten. Auf einer erleuchteten Fläche ist halt auch der Schmutz sichtbarer. Ähnlich ist es mit dem Salz. Geschmack bringt die kleine Prise, nicht das Zuviel des Guten. Man soll nicht das Salz selbst schmecken; sondern es soll den Eigengeschmack des Gerichtes herausheben und intensivieren. Christen, eine Kirche, eine Gemeinde, sollen ich sich selbst in den Mittelpunkt rücken; das wird schnell ungenießbar, wie eine versalzende Suppe. Man soll nicht uns schmecken, sondern etwas vom Geschmack Gottes erahnen. Das Leben/Zusammenleben soll genießbarer werden! Einmal überspitzt gesprochen: Es geht bei der Verkündigung nicht darum, Menschen in die Kirche oder in die Gemeinde zu führen, sondern die Kirche und damit jede Gemeinde und Gemeinschaft in ihr hat die Aufgabe, auf die Botschaft Christi hin so transparent zu sein, dass wir Menschen helfen, zu Christus zu finden. Die Kirche ist Mittel, nicht Zweck; eine Gemeinde ist Durchgangsstation, nicht Ziel.

Und doch soll es etwas zum Schmecken sein: Jesus sagt: „Ihr seid das Salz der Erde“ – nicht der Süßstoff oder der Honig! Eine Christenheit, die müde ist und fade schmeckt, die sich im Wesentlichen mit sich selbst beschäftigt, ist eben wie fades Salz oder dunkles Licht – ein Widerspruch in sich. Das taugt nur zum Wegwerfen. Zu Christentum und Kirche gehört immer auch die unbequeme, unangepasste Seite. Vom Dichter Günther Eich stammt das Wort: „Seid Sand, nicht Öl im Getriebe der Welt“! Davon könnten wir ruhig ein bisschen mehr gebrauchen!!

Unser Text ist, und das knüpft an den vergangenen Sonntag an, Teil der Bergpredigt und steht direkt im Anschluss an die Seligpreisungen. Die „Armen vor Gott“, die Trauernden und Verfolgten, die Friedfertigen und Barmherzigen, sie sind es, die von Jesus nicht nur „selig“ genannt werden, sondern auch „Salz der Erde“, und „Licht der Welt“. Salz und Licht sind wir nicht aus eigener Kraft, sondern durch den, der uns Arme und Trauernde, uns, die wir nach Gerechtigkeit hungern und dürsten selig genannt hat. Es geht nicht um eine Leistungsbilanz, was wir alles Gutes tun, nicht um die sog. „guten Werke“, sondern darum, zu zeigen, aus welcher Kraft diese Welt letztlich lebt, und wem auch ich mein Leben und meine Liebe zu verdanken habe.

Es gibt eine schöne Präfation, das ist der Lobpreis zu Beginn des Hochgebetes (ich werde sie gleich beten) da heißt: „Du bedarfst nicht unseres Lobes, es ist ein Geschenk deiner Gnade, dass wir dir danken. Unser Lobpreis kann deine Größe nicht mehren, doch uns bringt er Segen und Heil durch unseren Herrn Jesus Christus“. Was ist die Konsequenz? Vielleicht weniger darauf zu achten, was ich tue und wie ich als Christ/als Christin handle, sondern die Aufmerksamkeit, die Achtsamkeit auf das Licht, auf die Kraft zu lenken, die in mir lebt und wirkt und die mich wandeln will. Das rechte Tun kommt dann von allein. Amen.