„Gott sah, dass es gut war“: Am Anfang der Bibel und in der ersten Lesung der Osternacht steht Gottes Blick auf seine Schöpfung. Danach entfaltet sich die gesamte Geschichte Gottes mit den Menschen, die wir im weiteren Verlauf der Osternacht feiern. Mit der Schöpfung war Gott nicht fertig mit seiner und unserer Welt. Er hat nicht nur gesehen, dass alles gut ist, sondern er schaut auch weiterhin darauf, dass alles gut wird.
Aber wird wirklich alles gut? Sehen wir nicht täglich, wie der Tod in diese Welt Einzug hält und überall neue Kriege ausbrechen? Der Tod ist eine ständige Bedrohung. Er kommt tröpfchenweise mit dem Alter oder ganz plötzlich – wie es junge Menschen beim Feiern im Schweizer Skiort Crans-Montana erfahren mussten oder jüngst Schülerinnen in einer Mädchenschule im Iran, die bombardiert wurde.
Vielleicht wäre der beste Rat: Amüsiert euch und schlagt die Zeit tot, bis schließlich die Zeit euch totschlägt.
Die Osternacht möchte uns jedoch etwas anderes sehen lassen und uns einen anderen Blick auf die Welt geben. In der Lesung aus dem Buch Baruch wird es heißen: „Merkt auf, um Einsicht zu erlangen!“ Es wird ein kleiner Weg vom Sehen zur Einsicht, vom Erleben zur Weisheit beschrieben. Die Osternacht ist eine kleine Schule des Sehens: Seht, der Herr ist auferstanden; er ist wahrhaft auferstanden.
Wer Ostern sieht, kann mit dem Blick Gottes durch die Welt gehen. Als Christen gehen wir durch die Welt mit der Perspektive eines geöffneten Himmels. Als Christen sehen wir die Welt aus der Perspektive Gottes, der auf sie schaut und dafür sorgt, dass alles gut wird – und dass nicht der Tod die letzte Perspektive auf den Menschen und seine Welt ist.
Wie anders ist mein Empfinden dieser Welt, wenn der Perspektive des Todes der Stachel gezogen ist? Wie anders sähe mein Rat für ein erfülltes Leben aus, wenn das Ziel nicht darin bestünde, in kürzester Zeit und in der Ungewissheit der Dauer das Maximum an – wie auch immer geartetem – ausschließlich persönlichem Vergnügen zu erlangen?
Wie anders ist mein Leben aus der Perspektive der Ewigkeit? An Ostern lohnt es sich, mit dem Ewigen, der seinen Sohn auferweckt hat, darüber nachzudenken.
Und so wünsche ich Ihnen im Namen des gesamten Pastoralteams gesegnete Kar- und Ostertage! Wir wünschen Ihnen die Freude und die Einsicht über die Auferstehung, damit Sie einen hoffnungsvollen Blick auf die Welt haben. Der Herr ist auferstanden, er ist wahrhaft auferstanden.
Stefan Kaiser
