Die adventliche Zeit war von Texten geprägt, die in einer eigentümlichen Spannung zueinander standen. Die Lesungen aus dem Prophetenbuch Jesaja schenkten uns kraftvolle und positive Bilder. Die Evangelientexte waren eher herb – manchmal eine kleine Zumutung  – und wollten uns aufrütteln. Die Gruppe der geprägten Zeiten hatten diese vier Sonntage in einigen unserer Gemeinden mit Hoffnungstexten und -impulsen unterfüttert.

Ich habe mich in diesen Wochen an die Geschichten von Harry Potter erinnert (und an die entsprechenden Filme). Da gibt es z.B. die bösen Dementoren, die den Menschen die Seele aussaugen. Die nähren sich dabei von allem, was die Menschen belastet, ihnen Sorge macht, sie niederdrückt. Und da hält unsere Zeit wahrlich genug für uns bereit: sei es bei den großen geopolitischen Herausforderungen oder im kleinen Alltag unsere existenziellen Nöte und Sorgen.

Bei Harry Potter ist man diesen Dementoren aber nicht hilflos ausgeliefert. Der innere Patronus, das Licht und die Hoffnung in uns, sind stärker und können sie vertreiben und bezwingen. Es täte uns allen gut, diese Seiten in uns zu stärken: dem inneren Patronus mehr Raum und Gewicht zu geben, indem wir uns von der Hoffnung tragen lassen, die für uns an Weihnachten geboren wird.

Mir hilft dabei eine alte Gewohnheit, die über lange Zeit bei mir in Vergessenheit geraten war. In meine rechte Jackentasche lege ich morgens fünf Steinchen (oder Bonbons). Wenn mir im Laufe des Tages etwas passiert, wofür ich dankbar bin oder worüber ich mich freue, dann wechselt ein Steinchen (oder Bonbon) von der rechten in die linke Jackentasche – sehr oft finde ich abends dann alle Teile in meiner linken Jackentasche. Das gibt mir einen anderen Blick auf den Tag, auf mein Leben.

Die Adventszeit neigt sich dem Ende zu, das Weihnachtsfest steht quasi unmittelbar bevor. Ich wünsche uns, dass wir uns von der Hoffnung, die für uns geboren wurde, stärken lassen. Ich wünsche uns einen starken inneren Patronus, der den Widrigkeiten des Lebens trotzen kann, so dass wir auch für unsere Mitmenschen zu Trägern der Hoffnung und des Lichtes werden können.

Ein gesegnetes Weihnachtsfest und ein friedvolles Neues Jahr wünsche ich Ihnen im Namen des ganzen Pastoralteams!

Manfred Wacker