Predigt am 28.Sonntag im Jahreskreis B

Vielleicht  sind manche von uns nach dem heutigen Evangelium erleichtert. Gott sei Dank, ich gehöre nicht zu den oberen Zehntausend, zu denen mit dem dicken Geldbeutel. Ihnen werden die Leviten gelesen: „ Eher geht ein Kamel durch ein Nadelöhr, als dass ein Reicher in das Reich Gottes gelangt“. Die gewinnen kein ewiges Leben!

Nun sollen wir freilich auch bedenken, dass Reichtum und Armut nicht unbedingt nur eine Frage des Geldbeutels und des Kontos  sind. Es gibt sicherlich Reiche, die Jesus selig preisen würde, weil  sie  ihren Reichtum nicht festhalten, sondern  in den Dienst der Gerechtigkeit  stellen.

Und es gibt sicher  Menschen, die zwar  wenig besitzen, die aber an diesem Wenigen so verbissen hängen, dass  sie den Sinn  des Lebens verloren haben. Also, es geht gar nicht darum, was ich besitze, sondern  wie sehr ich daran hänge, wie sehr das, was mir gehört,  mein Herz in Beschlag nimmt, wie sehr es mich unfrei macht.

Nur dann wenn wir frei sind, können wir  den Weg der Nachfolge  Jesu gehen. „Komm und folge mir nach“ – sagt Jesus. Der Weg der Nachfolge Jesu ist für jeden von uns anders. Unsere Ordensleute versuchen in einem Leben der Armut diesen Gottesruf zu verwirklichen. Die Priester verwirklichen den Gottesruf im Dienst an den Gemeinden, in der Verkündigung des Evangeliums und in der Feier der Eucharistie mit der Gemeinde.

Die meisten Menschen verwirklichen ihre Christusnachfolge in der Familie. Sie bezeugen der Welt, dass Gott ein Gott der Liebe ist, die sie den Kindern und dem Partner entgegenbringen. Die, die allein leben, gehenden Weg der Nachfolge  Jesu durch Erfüllung  ihrer täglichen Arbeit, durch Nächstenliebe oder im Dienst an alten und kranken  Menschen.

Ein afrikanisches Sprichwort sagt:
„Es hat wenig Sinn, der reichste Mensch auf dem Friedhof zu sein“
Ein kluges Wort.

  • Was sind wahre Werte?  Was ist  wahrer Reichtum ?

Die entscheidende Frage ist  nicht:

  • Habe ich es in den Augen der Menschen zu etwas gebracht?

Die entscheidende Frage  lautet:

  • Habe ich es in den  Augen Gottes zu etwas gebracht?

Und Gottes Maßstäbe sind oft ganz und gar andere Maßstäbe als  die der Menschen. Was Menschen an mir bewundern, das kann in Gottes Augen völlig wertlos sein. Was Menschen  auf der anderen Seite an mir belächeln oder verachten, das kann in Gottes Augen ganz wertvoll sein. Und auch meine eigenen Ziele, auch meine  eignen Wertmaßstäbe muss  ich immer wieder  hinterfragen:

  • Sind sie identisch mit dem, wie Gott  urteilt,
    und mit dem,  was Gott von mir erwartet ?

„Es hat wenig Sinn, der reichste Mensch auf dem Friedhof zu sein“. Reich sein  in Gottes Augen – das ist wahrer Reichtum. Und nur dieser Reichtum  zählt und überlebt.

Gregor Orlowski

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