Vor einigen Tagen ist mir der Gottesknecht wiederbegegnet. Dies ist eine literarische Gestalt des Propheten Jesaja.
In den vier Gottesknechtsliedern wird er und seine Entwicklung uns vorgestellt. Alle vier haben im Laufe des Kirchenjahres recht prominente Plätze:
- Taufe des Herrn (Jes 42,1-7)
- Geburt Johannes des Täufers
(Jes 49,1-6) - Palmsonntag (Jes 50,4-9)
- Karfreitag (Jes 52,13-53,12)
Aus unserer christlichen Sicht lesen wir mit jedem Text mehr und mehr Jesus Christus heraus. Geschrieben wurden diese Texte des alten Testamentes aber deutlich vor der Geburt Christi und richteten sich in erster Linie an das ins babylonische Exil verschleppte Volk Israel, dem in diesem Werk die Aussicht auf Gerechtigkeit prophezeit wird, die im Gehorsam und der Ausrichtung auf Gott hin möglich ist. Ein Vertrauen, welches vieles Leid ertragbar werden lässt.
Somit verkündet Jesaja hier nicht nur die Rettergestalt, sondern ermutigt einen jeden einzelnen, sich in Gottes Dienst zu stellen. Besonders deutlich wird dies für mich im ersten Vers des dritten Gottesknechtsliedes:
„Gott, der Herr, gab mir die Zunge von Schülern, / damit ich verstehe, die Müden zu stärken durch ein aufmunterndes Wort. Jeden Morgen weckt er mein Ohr, / damit ich höre, wie Schüler hören.“ (Jes 50,4)
Richte ich also das Ohr meines Herzens lernwillig, wissbegierig und gehorsam auf Gott hin aus und handle nach diesem, so erfüllt er mich mit guten, aufmunternden und heilbringenden Worten, die uns ein Stück näher zur Vervollständigung des Himmelreiches hier auf Erden führen.
In der noch verbleibenden Fastenzeit kann dies vielleicht eine Übung sein: Wie sehr höre ich auf das, was Gott mir sagen möchte? Bin ich bereit, im Kontext meines Lebens Gottes Diener zu sein? Will ich Gottes Werkzeug sein und wenn ja, wie?
Die vier Gottesknechtslieder sind nicht unbedingt eine leichte Kost, haben aber viel zu bieten. Ich lade Sie ein, sie zu lesen und sie mit einem hörenden Ohr für Gottes ganz persönliche Botschaft an Sie zu entdecken.
Alexander Steinhausen
