Ein neues Jahr beginnt oft mit großen Vor-sätzen. Wir nehmen uns vor, mutiger zu sein, geduldiger, konsequenter, liebevoller. Wir schreiben Listen, setzen Ziele und hoffen, dass diesmal alles anders wird. Und dann kommt das Leben dazwischen. Alte Muster melden sich zurück, Kräfte reichen nicht aus, Enttäuschungen schleichen sich ein – über uns selbst, über andere.

Enttäuschungen schmerzen, weil sie zeigen, dass wir uns nach mehr sehnen. Nach einem Leben, das gelingt. Nach Sinn, nach Veränderung. Die Bibel verschweigt diese Erfahrung nicht. Sie erzählt von Menschen, die scheitern, zweifeln, neu anfangen müssen. Sie erzählt auch von einem Gott, der vielleicht für den einen oder anderen eine Enttäuschung war… Der Messias, geboren im Stall, nicht im Palast. Sohn eines Zimmermanns aus Nazareth und einer jungen Frau, nicht des Königs. Ein normales Kind in Windeln, nichts Besonderes. Und dann: Dann taucht er erst einmal ab. Kein Lebenszeichen. Und wenn er dann wieder auftritt: Keine Armee, kein Geld, eine mäßige Reichweite, viel Widerstand. Sein Ende: Das Kreuz – welch eine Enttäuschung.

ABER: Für Christen sind Enttäuschungen nicht das Ende. Gerade Gott zeigt uns in Jesus, dass Enttäuschungen nur aus falschen Erwartungen entstehen. Gott ist jener, der trotz unserer Enttäuschungen uns neue Wege in ein neues Leben zeigt. Die Bibel erzählt von einem Gott, der sich nicht von Enttäuschungen abwendet. Gott ist nicht der Hüter unserer Vorsatzlisten, sondern der Begleiter unserer Wege – auch dort, wo wir abbrechen, stolpern oder aufgeben möchten.

Vielleicht liegt genau hier eine neue Sicht: Dass das neue Jahr nicht davon lebt, was wir uns vorgenommen haben, sondern davon, was Gott uns zutraut. Dass wir unsere Enttäuschungen nicht verstecken müssen, sondern sie Gott hinhalten dürfen. Als leere Hände, die offen sind für Neues. Gott beginnt oft dort, wo wir am Ende sind – anders, kleiner, wirkungsvoller?!

Neue Möglichkeiten wachsen nicht immer aus Stärke, sondern aus Vertrauen. Aus dem leisen Mut, jeden Tag neu zu beginnen – nicht perfekt, aber getragen. Vielleicht ist das der eigentliche Jahresvorsatz: sich immer wieder neu von Gott ansprechen zu lassen. Heute. Jetzt. Und morgen wieder.

Stefan Kaiser