Bei Berufen, in denen Menschen eine besondere Verantwortung für andere tragen, ist ein besonderes Berufsethos unabdingbar. Bei Medizinerinnen und Medizinern wird sogar eine Eidesleistung vorausgesetzt, der sog. hippokratische Eid (ausgehend vom antiken Arzt Hippokrates). Er besagt, dass ein Arzt, da er dem Leben und nicht dem Tod zu dienen hat, einem Menschen kein tödliches Gift verabreichen darf.
In unserem 21. Jahrhundert, in dem der Fortschritt der Wissenschaft viel möglich gemacht hat, was früher undenkbar schien, wird manchmal der Ruf laut, auch für Wissenschaftler/-innen anderer Sparten ähnlich verbindliche ethische Maßstäbe anzulegen.
Bekanntlich hielt Jesus überhaupt nichts vom Schwören. An ihren Taten sollen die Jüngerinnen und Jünger erkennbar werden, nicht ihren Worten. Einen verbindlichen Maßstab hat er allen, die ihm nachfolgen, gleichwohl mitgegeben. Das „Berufs“ethos eines Christen wird für ihn sichtbar am Beispiel eines Hirten, der sich für die, die ihm anvertraut sind, in einer Weise engagiert, die über die Ideale eines guten Arztes à la Hippokrates weit hinausgehen.
Die jährliche Erinnerung daran ist der 4. Ostersonntag, auch Sonntag vom Guten Hirten genannt. Wie wäre es, die Aufgabe, guter Hirt oder gute Hirtin zu sein, einmal für mich durchzubuchstabieren? Dann lohnt es, das entsprechende 10. Kapitel im Johannesevangelium zu lesen und es als Maßstab für meinen Weg zu sehen: Ich bin der gute Hirt – Ich kenne die Meinen – Ich gebe mein Leben hin – Ich bin gekommen, dass sie das Leben in Fülle haben.
Allen einen schönen Sonntag!
Georg Birwer
