Predigt Christ-König-Sonntag  Mt 25, 31-46

Liebe Schwestern und Brüder!

Unerträglich.
Die Geschichte vom Kreuz, die Geschichte vom verendenden Jesus ist unerträglich. Von Anfang an.
Die frühen Christen haben deshalb auf Kreuzesdarstellungen verzichtet,  und selbst die Apostelbriefe verdrängen den ohnmächtigen Jesus und  malen „das Ebenbild des unsichtbaren Gottes“.
Das Bild des Christus, des Herrschers,  erschien und erscheint leichter als der Jesus, wie ihn die Evangelien schildern.
Wer schaut schon gern auf Verlierer…

Doch genau diesen Blickwinkel nimmt Jesus den Evangelien zufolge ein:
Abgeschriebene, Verachtete, Ausgesonderte, Hilflose rückt Er in die Mitte.
Er erhöht die Niedrigen.
Er verbindet sich mit ihnen, Er sieht sich selbst in ihnen, wenn Er sagt: was ihr den Geringsten tut, das tut ihr mir.
Er verbindet sich nicht mit den Herrschern und Strahlefrauen und Strahle-männern dieser Welt,
Sein Herz schlägt für die Leidenden und in den Leidenden.
Wer auf das Leben Jesu schaut und sich an Ihm orientiert, der steht nicht auf der Seite der Großen.

Die Kirche lässt uns ein Kirchenjahr nicht beschließen ohne das Christ-königsfest.
Zum einen, um zu schauen wie anders das Königtum Christi ist: nicht gebunden an weltliche Macht und Größe.
Zum anderen aber auch, um uns eine andere Größe vor Augen zu stellen.
Der am Kreuz hängende Jesus vergibt jedem, der dafür offen ist.
Der eine Verbrecher am Kreuz, der um das Gedenken Jesu bittet,  bekommt die Zusage ewigen Lebens.

Wenn wir vom Reich, das „ohn alle Grenzen ist“ singen,  dann ist es das Umfeld, wo Vergebung gewährt wird, dann ist es das Umfeld, wo die Güte wohnt.
Dienerinnen und Diener des Christkönigs brauchen keine Uniform, kein Abzeichen, keine besondere Kleidung; das offene Herz allein entscheidet.

Ist es wirklich hilfreich oder nötig, von Christus als den Herrn über den ganzen Kosmos zu reden?
Denn was ist der ganze Kosmos? Die Unendlichkeit des Universums?

Die uns unbekannten Welten, von denen wir nicht wissen, ob in ihnen Leben ist und was für welches?

Jesus selbst hat so nie gesprochen.
Er hatte viel mehr die Welt vor Augen, die zusammen bricht, wenn ein Mensch stirbt.
Er hatte die Welt vor Augen, die zusammen bricht, wenn ein Mensch als Aussätziger keine Chance hat, oder wenn einer als Blinder das Licht der Welt nicht erblickt.
Seine Macht, Seine Wirksamkeit ist zwischenmenschlich, sie ereignet sich in der persönlichen Begegnung.

Am Ende des Kirchenjahres, ausgerichtet auf den wiederkommenden Herrn, hören wir zusammengefasst, was wir das Jahr über bedacht und gehört haben:  dass der Weg dem wiederkommenden Herrn entgegen nicht am Zwischenmenschlichen, nicht am Menschen vorbei geht,  und schon gar nicht vorbei geht an den Kleinen und Geringen. Wer Christus als König bekennt, sieht in ihnen sein Königtum.